Der DFB verurteilte den SVB Babelsberg 03 in der letzten Woche zu einer Geldstrafe in Höhe von 5.000€. Grund für diese Entscheidung war ein Spruchband des Ostblocks mit der Aufschrift „05.03. Bomber Harris do it again“, das – laut DFB-Kontrollaussschuss – nach §9 Abs. 3 DFB-Rechts-und-Verfahrensordnung zu ahnden ist. Dort heißt es, Vereine müssen bestraft werden, „wenn Anhänger einer Mannschaft vor, während und nach einem Spiel im Stadion Transparente mit rassistischen Aufschriften entrollen oder sich auf andere Weise rassistisch und/oder menschenverachtend verhalten“. Inwiefern hier eine menschenverachtende Aussage vorliegt erschließt sich uns nicht, denn dieses Spruchband bezieht sich auf den Aufmarsch von Neonazis am 05.03.2012 in Chemnitz, der – ähnlich wie in Dresden – die Bombardierung der Stadt aus dem Kriegskontext und der Schuld der Nazis ziehen soll, um das “Dritte Reich” in eine Opferrolle zu ziehen. Der Spruch „Bomber Harris do it again“ bezieht sich in diesem Kontext auf den General Sir Arthur Harris, der die Flächenbombardierungen u.a. auf Dresden und Chemnitz zu verantworten hat und ist eine kritische Anspielung auf die aktive Nazis Szene in und um Chemnitz, denen anscheinend auch nach dem Selbstverständnis des DFB entgegengetreten werden muss. Was der DFB hier macht, ist also eine Behinderung antifaschistischer Arbeit, die nach eigenen Lippenbekenntnissen eigentlich gewünscht ist. Und dies vor allem, wenn der Vorstand des SV Babelsberg 03 als Konsequenz ankündigt, diese Strafe auf die verantwortlichen Fans umlegen zu wollen! Dieses Verhalten des Vereins und das sofortige und unreflektierte Einknicken vor dem DFB-Urteil ist genau so kritikwürdig, wie das Urteil an sich. Der Verein, der nach eigenen Aussagen für Toleranz und Offenheit steht, unterstützt aktiv die Schwächung antifaschistischer Strukturen, die wesentlich mehr leisten als drei Pressemitteilungen für Toleranz im Jahr. Eine genauso große Unverschämtheit ist auch das weitere Verhalten des DFB gegenüber dem Chemnitz FC. Dieser wurde zu einer Strafe von 2000€ verurteilt, aber nicht weil die Nazis unter ihren Fans während des Spiels Hitlergrüße zeigten o.ä. (Link), sondern weil im Gästeblock Pyrotechnik abgebrannt wurde. Anstatt Strafen für Pyrotechnik auszusprechen und antifaschistische Strukturen anzugreifen, sollte der DFB die eigenen Lippenbekenntnisse lieber in die Tat umsetzen!