Seitdem ich am Donnerstag aufgewacht bin, war ich angespannt. Nicht wirklich in Sorge und nicht wirklich voller Vorfreude – sondern irgendwo dazwischen bewegte sich meine Gefühlswelt. Ein paar Dinge mussten für den Abend noch vorbereitet, Treffpunkte endgültig fixiert und der Blick immer auf die Uhr gerichtet werden. Dann war er da: der Moment in dem ich die Wohnungstür verließ und mich auf machte zu dem wohl (was das Drumherum betrifft) spannendsten Spiel dieser Berlin-Liga Saison. Also ging es auf zum Treffpunkt, diesmal ohne Bier, dafür mit Wasser und mit dem ersten Auswärtigen, den wir auf dem Bahnsteig trafen und uns nach lediglich 1 Monat nicht-sehen, begrüßten als hätten wir einen Freund aus alten Tagen wiedergetroffen. So ging es dann am Treffpunkt weiter. Danke an dieser Stelle an alle Menschen, die uns an diesem Tag begleitet und damit ein Zeichen gesetzt haben, dass der TSV seinen Umgang mit Nazis überdenken sollte, denn nicht nur wir finden diesen Kuschelkurs scheiße! Am Zwickauer Damm angekommen begrüßten uns die ersten Cops, welche im Gegensatz zum Spiel vor anderthalb Jahren einen ruhigen Job hatten. Den Typen mit dem Hitlergruß am S/U Bahnhof Neukölln hätte man allerdings schon mal seine Grenzen zeigen können – allerdings sind wir froh diesmal alle ohne Umwege der GESA das zu Hause erreicht zu haben. Im Stadion angekommen, war dann weder Thomas S. als Ordner eingesetzt, noch wurden die Eintrittspreise (6€/4€) angezogen. Note 1 dafür. Die Blocktrennung in Form von zwei Flatterbändern und einer wechselnden Anzahl von Polizist_innen wirkte hingegen etwas „lächerlich“, auf der anderen Seite wäre ein Bauzaun wahrscheinlich eher gefährlicher gewesen. Punktabzüge gibt es dann ganz klar dafür, dass auf Seiten des TSV eindeutig bekannte Neonazis – Sebastian T., Julian B. und Thomas S. – neben einigen Hools (vor allem Herthaner) anwesend waren. Der eigentlich so wichtige Kurswechsel der den Neonazis in Neukölln, wenn auch im Kleinen, zeigen könnte: „Ey wir haben kein Bock auf euch“, wurde wieder einmal nicht vollzogen. Was dann auch alles andere positive zunichte macht und diesen Verein – für uns – nicht unterstützbar bleiben lässt. Lippenbekenntnisse oder der nur formulierte Wille, liebe Rudower Funktionäre, sorgt nicht für eine Nazifreie Zone!

Wir wollen euch zwei kurze Auszüge, die die Rudower Funktionäre schlecht überhört haben können, nicht vorenthalten: Neben “Zeckenpack”-Rufen wurde das allseits beliebte “Lila-Weiß ist Schwul” durch “Jetzt oder Nie! Homophobie!” ergänzt. Das ganze von Personen hinter einem “TSV Rudow 1888”-Banner kann wohl nur schwer als “auswärtiges” Problem wegdiskutiert werden. Um so größer ist unser Ärger, dass der TSV Rudow dies weder am Donnerstagabend unterbunden, noch bis heute verurteilt hat.

Das Spiel nahm, wie in den letzten Partien einen für die Borussia ungünstigen Verlauf. Man geriet früh in Rückstand, spielte mindestens gut mit, teilweise gab es Phasen in denen man „besser“ war. Doch der Ball landete nicht im Tor. Die Mannschaft wirkte verunsichert und nicht selbstbewusst. So wird es noch einmal eng in dieser Saison, aber Möglichkeiten den Kurs zu drehen bleiben wohl noch genug. Wenigstens der Support stimmte am gestrigen Abend. Am Ende bleibt uns nur eins zu sagen: ein großes Danke an alle Gäste, die für ein Spiel mitten in der Woche teilweise sehr weit angereist waren – wir sehen uns.


Quelle: Sprdlik